Der Landkreis Göppingen verbindet industrielle Stärke mit digitaler Transformation. Maschinenbau, Metallverarbeitung, Mechatronik, Software und neue Technologien prägen den Standort ebenso wie Hochschulen, berufliche Bildung und praxisnahe Lernorte. Unternehmen nutzen digitale Lösungen, um Anlagen zu vernetzen, Prozesse effizienter zu gestalten, Services weiterzuentwickeln und neue Geschäftsmodelle aufzubauen. So entsteht ein digitaler Wirtschaftsstandort, an dem Tradition, Technologie und Zukunftskompetenz zusammenfinden.


Der Glasfaserausbau im Landkreis Göppingen macht schnelles und stabiles Internet zum Standortvorteil für Unternehmen, Kommunen und private Haushalte. Um die Wettbewerbsfähigkeit der Region Stuttgart und des Landkreises Göppingen weiter zu stärken, treibt die Gigabit Region Stuttgart GmbH (GRS) den Ausbau der digitalen Infrastruktur konsequent voran. Bis 2030 sollen Haushalte, Gewerbegebiete und förderfähige Schulen an das Glasfasernetz angeschlossen sein. Der Landkreis Göppingen ist an der GRS beteiligt; sie koordiniert den Breitbandausbau gemeinsam mit der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart GmbH, der Landeshauptstadt Stuttgart sowie den Landkreisen Böblingen, Esslingen, Göppingen, Ludwigsburg und Rems-Murr.
Die Zusammenarbeit zeigt messbare Wirkung: Im März 2025 verfügten bereits 30 Städte und Gemeinden in der Region Stuttgart über eine Glasfaserabdeckung von mindestens 90 %. Damit haben sie das regionale Ausbauziel für 2030 schon früh erreicht. Auch der Landkreis Göppingen gehört zum „Club der Neunziger“. In Albershausen, Börtlingen, Drackenstein, Hohenstadt, Schlierbach und Wangen liegt die Glasfaserabdeckung bei mindestens 90 %. Viele Haushalte und Unternehmen sind dort bereits angeschlossen oder verfügen über einen direkten Anschluss bis ans Gebäude, sodass ein Zugang beauftragt werden kann. Sichtbar wird der Fortschritt auch vor Ort, etwa beim Startschuss für den Glasfaserausbau in Geislingen an der Steige.
Ende 2024 lag die durchschnittliche Glasfaserabdeckung in der Region Stuttgart bei rund 39 %. Die Deutsche Telekom ist mit einem Marktanteil von rund 80 % der größte Investor in den Kommunen der Region. Ein offener Kooperationsvertrag mit der GRS unterstützt die Ausbauziele, weitere Vereinbarungen mit Glasfaserunternehmen ergänzen den eigenwirtschaftlichen Ausbau. Parallel fördert die GRS Smart-Region-Anwendungen – digitale Lösungen, die Städte und Kommunen vernetzen.
Zusätzliche Dynamik entsteht durch Fördermittel für den kommunalen Breitbandausbau. Im Januar 2026 übergab Baden-Württembergs Innen- und Digitalisierungsminister Thomas Strobl Förderbescheide in Höhe von 231,16 Millionen Euro für 29 Projekte; landesweit entstehen dadurch 57.396 neue Glasfaseranschlüsse. Im Landkreis Göppingen profitieren 18 Städte und Gemeinden im Zweckverband Gigabit Landkreis Göppingen. So kommen leistungsfähige Anschlüsse auch in Gebiete, die für einen rein eigenwirtschaftlichen Ausbau schwerer zu erschließen sind – ein starkes Signal für den digitalen Wirtschaftsstandort Landkreis Göppingen.

Die Unternehmensvielfalt im Landkreis Göppingen reicht von weltweit bekannten Marken bis zu spezialisierten Hidden Champions. Märklin, WMF und TeamViewer zeigen, wie unterschiedlich wirtschaftliche Erfolgsgeschichten am Standort entstehen können: vom traditionsreichen Industrieprodukt über Haushaltswaren bis zur Softwarelösung für digitalen Fernzugriff. Zugleich prägen zahlreiche kleine und mittelständische Betriebe die Region. Viele davon arbeiten in spezialisierten Nischen und zählen dort zu den führenden Anbietern.
Besonders stark ist der Standort im Maschinenbau, in der Metallverarbeitung, in der Mechatronik und in der Elektrotechnik. Unternehmen wie ANDRITZ Schuler, MAG, Hinterkopf und Ortlieb Präzisionstechnik stehen für industrielle Kompetenz mit langer Tradition. Hinzu kommen Betriebe wie Heldele, Dussmann Speidel Elektro und Prinzing, die elektrotechnische Gesamtkonzepte für große Industrieunternehmen und Gebäudekomplexe realisieren.
Auch spezialisierte Anbieter prägen das wirtschaftliche Profil: Die Kunstgießerei Strassacker in Süßen, Kolberg Percussion in Uhingen, Mink Bürsten und Carl Stahl zeigen, wie vielseitig industrielle Fertigung, Handwerk und Spitzentechnologie im Landkreis zusammenwirken. Für den digitalen Wirtschaftsstandort ist diese Breite ein klarer Vorteil. Sie schafft Anknüpfungspunkte für Vernetzung, Automatisierung, digitale Services und neue Geschäftsmodelle.

Industrie 4.0 im Landkreis Göppingen entsteht dort, wo industrielle Erfahrung auf digitale Steuerung, vernetzte Anlagen und neue Qualifikationen trifft. Ein Beispiel liefert ANDRITZ Schuler: Entwicklerteams bündeln Funktionen der Pressensteuerung in standardisierten Grundmodulen und produktspezifischen Modulen. Diese digitalen Strukturen bilden die Basis für Produktentwicklung, Analyse und Optimierung ganzer Anlagen. Die digitalen Werkzeuge unterstützen Unternehmen dabei, die Effizienz ihrer Anlagen gezielt zu steigern.
Auch Service und Wartung verändern sich durch digitale Prozesse. Bei ANDRITZ Schuler greifen Mitarbeitende per Fernwartung von Göppingen aus auf Anlagen zu, unterstützen Kundschaft weltweit und beheben Probleme direkt aus der Ferne. Digitalisierung schafft damit konkreten Mehrwert: Prozesse werden effizienter, Anlagen transparenter und Services schneller verfügbar.
Damit Industrie 4.0 im Betrieb wirksam wird, braucht es qualifizierte Menschen. Schulungen und Seminare binden Beschäftigte aktiv in die digitale Transformation ein. Zusätzlich begleitet die Wirtschaftsförderung des Landkreises Unternehmen bei Fragen zur Digitalisierung, unter anderem mit Innovationsberatung und Workshops zu digitalen Themen. So wird Industrie 4.0 im Landkreis Göppingen nicht nur technisch gedacht, sondern auch organisatorisch und personell verankert.

Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Landkreis Göppingen zeigt sich vor allem dort, wo Betriebe Abläufe vereinfachen, Informationen schneller nutzbar machen und neue digitale Angebote entwickeln. Die Wirtschaftsförderung sieht Potenziale unter anderem in der internen und externen Kommunikation, in Produktions- und Betriebsabläufen sowie in neuen Geschäftsfeldern. Damit wird KI für Unternehmen weniger zum Zukunftsbegriff und stärker zu einem Werkzeug für konkrete Verbesserungen im Arbeitsalltag.
Wie digitale Lösungen Prozesse erleichtern können, zeigt die satek GmbH aus Salach. Das Unternehmen produziert Sanitär- und Nasszellensysteme für Schienenfahrzeuge und stellt Einbaupläne sowie Schaltpläne digital auf Tablets bereit. Die Montageteams können Informationen dadurch direkt vor Ort nutzen. Das unterstützt Wartung und Instandhaltung, beschleunigt Reparaturen und verbessert den Service für Auftraggebende. Auch neue Geschäftsmodelle entstehen durch digitale Technologien: Ein weiteres Unternehmen bietet Leistungen rund um Fahrtenschreiber im Abo-Modell an und stärkt so langfristige Geschäftsbeziehungen. Junge Unternehmen und Start-ups im Landkreis setzen ebenfalls auf digitale Technologien, etwa bei der Entwicklung von Software und Apps.
Damit solche Anwendungen entstehen, braucht es Orte, an denen Wissen, Ideen und praktische Erprobung zusammenkommen. Ein solcher Ort ist hive in Göppingen. Der Name steht für Hub for Innovation, Vision and Execution. Dort treffen Mittelstand, Start-ups und Talente aufeinander, um Innovationen zu entwickeln und KI-Anwendungen zu testen. Ergänzend vermittelt hive Education Wissen zu Künstlicher Intelligenz, Robotik und unternehmerischem Denken. Im hive Discovery Campus machen mehr als 14 KI-Stationen Zukunftstechnologien erlebbar; Kinder entwickeln dort zum Beispiel einen eigenen KI-Avatar. Die hive Masterclass ermöglicht eigene Projekte in Robotik, Programmierung und 3D-Druck.

Die Zukunftschancen des digitalen Wirtschaftsstandorts Göppingen liegen in der Verbindung von Unternehmen, Bildung, Forschung und praxisnaher Qualifizierung. Betriebe aus Maschinenbau, Metallverarbeitung, Mechatronik und Elektrotechnik entwickeln sich weiter: Sie optimieren Prozesse, steigern Effizienz und vernetzen Maschinen und Abläufe mit moderner Informations- und Kommunikationstechnologie.
Ein zentraler Standortvorteil ist die Nähe zu Hochschulen und Netzwerken. Die Hochschule Esslingen am Campus Göppingen bildet Fachkräfte für Industrie 4.0 aus, mit Know-how in Ingenieurwesen, Informationstechnik und Unternehmensführung. Die HfWU ergänzt dieses Profil mit berufsbegleitenden Studiengängen wie Prozessmanagement, Digital Management und Digital Marketing, die Fach- und Führungskräfte für Veränderungsprozesse und digitale Aufgaben qualifizieren.
Auch die berufliche Bildung stärkt den Standort. In Göppingen und Geislingen gibt es Lernfabriken 4.0, in denen junge Menschen Module industrieller Fertigungsprozesse kennenlernen. Zentrale Lerninhalte sind Automatisierung, Steuerung und Programmierung. Die Lernfabrik 4.0 in Göppingen setzt den Schwerpunkt auf Mechatronik. Die Lernfabrik Wirtschaft 4.0 in Geislingen verbindet kaufmännische und gewerbliche Berufe. Davon profitieren besonders mittelständische Unternehmen, die qualifizierte Nachwuchskräfte für digitale Abläufe gewinnen möchten.